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Mittelbayerische Zeitung, 22. Dezember 2018:

Mittelbayerische Zeitung, 15. Oktober 2018:

Mittelbayerische Zeitung, 27. April 2017:

Besondere Würdigung für F. X. Lindl

Eine Stiftung will das Erbe des Malers bewahren, seine Kunstwerke erwerben und diese vorzugsweise in Berching ausstellen.

Unter den Gästen der Ausstellung fanden sich auch Weggefährten des Malers. Foto: Alexander Delacroix

BERCHING. Der Berchinger Maler Franz-Xaver Lindl hat eine große Würdigung erfahren. Die Franz-Xaver Lindl Stiftung stellte sich kürzlich mit den Werken des Namensgebers im Marstall der Burg Eggersberg bei Riedenburg vor. Prof. Dr. Toni Lindl, der jüngste Sohn des Malers, freute sich, unter den Gästen auch Weggefährten seines Vaters zu sehen. Zuvor hatte Anna Späth, eine Enkelin des Malers, Dipl.-Musiklehrerin und freischaffende Klangbildnerin, mit ihrer Musik die Stimmung vieler Bilder ihres Großvaters wiedergegeben.

Sammlung wurde erweitert

Prof. Dr. Toni Lindl hat die Stiftung ins Leben gerufen. Seine große Sammlung der Werke wurde durch Exponate seines Bruders Peter Lindl und seines Neffen Daniel Poznanski (Sohn der Künstlertochter Gertraud Lindl-Poznanski) erweitert. Zweite Bürgermeisterin Gerlinde Delacroix überbrachte die Grüße der Stadt Berching und sagte: „Mit dieser Ausstellung kommt unserer Stadt, ihren Menschen, ihrer Eigenart, aber auch ihrer besonderen Lebensweise in der reizvollen Gegend der Oberpfalz gestalterisch und künstlerisch eine besondere Wertschätzung zu.“ Lindl habe Zeiten miterlebt, die die Welt erschüttert und gewandelt hätten – das spiegle sich auch in seinen Werken wider. Sie vermittelten dem Betrachter ein Gefühl für Heimat und ihre Geschichte, das Leben erscheine wie eine Reise mit vielen Haltestellen.

Diese Bilder seien Teil unseres Gedächtnisses – für die, die sich an die Zeiten der Zerstörung und des Wiederaufbaus noch persönlich erinnerten, und für diejenigen, die diese nur aus Erzählungen der Eltern oder Großeltern kennen würden. Kunst sei so alt wie die Menschheit. Sie sei unmittelbarer Ausdruck menschlicher Kreativität, gehe hervor aus dem Dialog des Künstlers mit der Natur, mit seiner Umwelt, seinen Mitmenschen. Künstler sagten mit ihren Werken etwas über sich und ihre Wahrnehmung der Welt. Lindl sei ein großer Künstler aus Berching, der in vielen seiner Kunstwerken die Heimat, die Landschaft und vor allem die Menschen in ihrem Alltag darstelle. „Berching würde sich sehr freuen, wenn es eine Nachfolgeveranstaltung dieser Ausstellung in der Geburtsstadt von F. X. Lindl gibt“, so Delacroix.

Zu der Stiftung selbst und zum Lebenslauf Lindls sprach Daniel Poznanski, Diplom-Jurist und Geschäftsführer des Kollegs St. Blasien. Zunächst stellte er die Stiftung und das Kuratorium vor. Die Stiftung werde von einem Kuratorium verwaltet, dem außer dem Stifter die Leiterin des Instituts für angewandte Zellkultur, Dr. Marie-Luis Wallraven-Lindl, Anna Späth und Daniel Poznanski angehörten. Die Stiftung verfolge den Zweck, Lindls Kunstwerke zu bewahren, eventuell vorhandene weitere Werke zu erwerben und sie vor allem in Berching dauerhaft auszustellen. Darüber hinaus engagiere sich die Stiftung im Bereich der Kunst und Kultur der Oberpfalz und fördere dort junge Künstlerinnen und Künstler. Der Stiftungszweck solle vor allem durch Ausstellungen, Führungen, Lesungen, Musikdarbietung in der Oberpfalz, vorzugsweise in Berching, erreicht werden.

Lindl wurde 1897 in Berching geboren. Seine berufliche Laufbahn begann mit einer Schreinerlehre (1911-1914). Danach übte er in der Benediktinerabtei Plankstetten und bei den Dornierwerken in München seinen erlernten Beruf aus. Anschließend ließ er sich als Zeichner und Innenarchitekt an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg (1920-1924) ausbilden. Als bemerkenswert bezeichnet wurden seine ersten innenarchitektonischen Entwürfe und die dazugehörigen Zeichnungen. 1925 bereiste Lindl Italien – fast ausschließlich zu Fuß, da ihm finanzielle Mittel fehlten. In Italien entstanden zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen von Landschaften, Kirchen und Städten expressionistischer Prägung, in denen der Künstler seine Eindrücke festhielt.

Zurück in Deutschland begann Lindl Bildhauerei an der Kunstakademie in Düsseldorf zu studieren. Er war dort von 1927 bis 1929 Meisterschüler bei Prof. Richard Langer. Während dieser Zeit entstand die Skulptur „Die Tanzende“. Bei der nationalen Kunstausstellung 1928 in Düsseldorf, bei der auch Künstler wie Feininger, Dix, Klee, Kirchner und Pechstein ausstellten, erregte die Skulptur große Aufmerksamkeit. Ein Jahr später wurde sie mit dem großen Preußischen Staatspreis ausgezeichnet.

Ab 1930 etablierte sich Lindl als freier Bildhauer, Maler und Grafiker und arbeitete für Kirchen und Privatleute im Rheinland und in seiner Heimatstadt Berching. Auch bei großen Unternehmen wie der Farbenindustrie IG Farben und der Goldscheideanstalt Degussa arbeitete er als Grafiker.

Unfall künstlerisch aufgearbeitet

Durch einen Chemieunfall bei den IG-Farben verlor Lindl im Jahr 1938 sein rechtes Auge. Sein künstlerisches Schaffen wurde davon aber nicht beeinträchtigt. Nach dem Unfall entstand die Zeichnung „Selbstporträt als Kartenspieler“, in der Lindl seinen Unfall künstlerisch zu verarbeiten versuchte. 1943 wurde er aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes aus dem Wehrdienst entlassen und als Hilfspolizist in seiner Heimatstadt Berching eingesetzt. Er veranstaltete im selben Jahr seine erste eigene Kunstausstellung im Rathaus von Neumarkt. In einem zeitgenössischen Zeitungsartikel wurde die Ausstellung, die Bilder aus der Umgebung Berchings, vom Altmühltal und aus dem Jura zeigte, gelobt. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs an bis zu seinem Tod 1970 kehrte Lindl zu seiner Tätigkeit als freier Maler und Bildhauer zurück. Hauptsächlich arbeitete er nun in seiner Heimat, wo er öffentliche und private Aufträge erhielt.

Quelle: https://www.mittelbayerische.de/region/neumarkt/gemeinden/berching/besondere-wuerdigung-fuer-f-x-lindl-21159-art1511815.html